Flieger - Hanspeter

Hawker Tempest

Hawker Tempest V
 
Nachdem die ersten Maschinen 1942 hergestellt wurden, führte man die Hawker Tempest im Frühjahr 1944 in die Royal Air Force ein. Sie sollte eine wichtige Rolle bei der Bezwingung der deutschen Armee spielen. Die Tempest besass eindrucksvolle Luftkampfeigenschaften,
z B. zum Abfang von V-1 Flügelbomben oder zur Luftunterstützung der alliierten Truppen in der Normandie. Dabei wurden den deutschen Nachschubkolonen enorme Verluste zugefügt.
Die Tempest war mit Hispano Maschinenkanonen bewaffnet und wurde durch einen
2180 PS Napier Sabre II Motor angetrieben. Das erlaubte Geschwindigkeiten bis zu
435 mph. Ihre Entwicklung basierte auf dem Vorgängertyp Hawker Typhoon.
Zwecks Erhöhung der Geschwindigkeit und Beweglichkeit hatte die Tempest im Gegensatz zur Typhoon dünnere Tragflächen. Trotz anfänglicher Motorprobleme zu Beginn der Produktion wurde nach deren Beseitigung die Tempest zum erfolgreichsten Jagdbomber der britischen Luftstreitkräfte währen des zweiten Weltkrieges.
 
 
Pierre Clostermann
 
1921 als Sohn eines angesehenen französischen Diplomaten in Brasilien geboren.
Mit 16 Jahren bereits Inhaber des Flugscheins.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, befand sich Clostermann noch in den Staaten, erst als Frankreich 1940 bereits geschlagen und von deutschen Truppen besetzt worden war, gelangte der sehr patriotische Clostermann nach England und schloss sich hier den sogenannten freien französischen Streitkräften unter General de Gaulle an. Aufgrund seiner Vorkenntnisse als Unteroffizier in der frei-französischen No. 341 Squadron der Royal Air Force eingesetzt, flog der erst 20jährige Clostermann 1942 über 100 Einsätze als Jäger, Jagdbomber und Aufklärer über dem Ärmelkanal, Frankreich, Belgien und Holland.

Seinen ersten Luftkampferfolg konnte der junge Spitfirepilot am 17. Juni 1943 über dem holländischen Le Havre melden. Inzwischen bereits Flight Sergeant, zeichnete sich Clostermann besonders in der Rolle des Jagdbombers aus, erhöhte die Zahl seiner Luftsiege bis Jahresende 1943 aber bereits auf drei und beschädigte zwei weitere Bf 109.

An Auszeichnungen erhielt er hierfür die Distinguished Flying Medal verliehen.

Clostermanns große Zeit brach im Sommer 1944 an. England beherbergte zu jener Zeit die größte Ansammlung von Soldaten, Waffen und Material, die es in der Kriegsgeschichte je gegeben hatte. Briten, Amerikaner, Kanadier, freie Franzosen - sie alle warteten auf den D-Day. So lautete die Codebezeichnung für den Beginn der Invasion - vier Jahre nachdem die letzten alliierten Truppen dem Druck der deutschen Wehrmacht nachgegeben und Frankreich verlassen hatten, sollte der riskante Sprung zurück auf den Kontinent gewagt werden. Neben den Briten, sie standen seitdem mit dem Rücken an der Wand, waren natürlich Franzosen wie Clostermann besonders erpicht auf den D-Day.
 
Ihr Land war seit vier Jahre unter deutscher Kontrolle, die stolze Grand Nation unterdrückt und erniedrigt. Seit vier Jahren warteten die Soldaten der freien Streitkräfte ebenso unruhig auf den Tag des Zurückschlagens, wie die zurückgebliebenen Zivilisten in Frankreich selbst. Am 6. Juni 1944 war es dann soweit - der alliierte Oberkommandierende General Eisenhower gab den Befehl für die Invasion in der Normandie.

Zu jenen tausenden alliierten Jagdfliegern, die während der Invasionsschlacht pausenlos Einsätze über der Normandie und dem Hinterland flogen, gehörte auch Clostermann, welcher inzwischen für Tapferkeit vor dem Feind zum Offizier befördert worden war.
Als Verbandsführer in einer mit Hawker Tempest ausgerüsteten Staffel, spielte er seine ganze Jagdbomber-Erfahrung aus und zerstörte binnen weniger Wochen mehrere Panzer, beinahe fünfzig Fahrzeuge, zwei Torpedoboote, unzählige Bodenstellungen und mehrere deutsche Flugzeuge am Boden.

Auch in Luftkämpfe verstrickt, wurde er am 26. Juni durch den Abschuss einer Bf 109 zum Fliegerass. Im Juli und August weiterhin im Dauereinsatz und für seine Erfolge als Flying Officer mit dem Distinguished Flying Cross beliehen, zeigte seine „La Grand Charles“ benannte Maschinen schon bald massenhaft Abschussbalken. Allerdings gehen die Angaben über seine Luftsiege je nach deren Quelle sehr auseinander.

Während die Royal Air Force Clostermanns letztendliche Abschusszahl mit 18 anerkannten angibt, werden Pierre Clostermann nach dem französischen Zählsystem sogar 33 Luftsiege zugeschrieben. So konnte Clostermann in einem heftigen Luftkampf am 2. Juli 1944 zwar vier Feindmaschinen zumindest beschädigten, aber nach RAF-Regeln keine bestätigt abschießen.
Hingegen mit Sicherheit belegt sind seine unerreichten Erfolge als Jagdbomber - 24 Bodensiege, 72 zerstörte Loks und Eisenbahnwagen, 5 Panzer, 2 Torpedoboote, 1 U-Boot, über 200 Lastwagen und Fahrzeuge sowie hunderte Flakstellungen, Truppenunterkünfte, Bunkeranlagen, dutzende Brücken und umfassende Eisenbahn- und Gleisanlagen.

Mit letztendlich 420 Feindflügen gehörte der angriffslustige Franzose darüber hinaus zu den am meisten gegen den Feind eingesetzten westalliierten Kampffliegern des Krieges.
Die letzten dieser Einsätze waren auch gleichzeitig die erfolgreichsten, denn hier errang Clostermann, nun schon Gruppenführer in der No. 274 Squadron, die meisten seiner von allen Seiten anerkannten Luftsiege. Über Norddeutschland eingesetzt, unterlagen im März zumindest drei und im darauffolgenden Monat mindestens vier Luftkampfgegner.
Nur wenige Tage vor Kriegsende als erst 25jähriger mit der Führung der No. 56 Squadron betraut, führte Clostermann am 3. Mai 1945 einen Jagdbomberangriff gegen eine Marinebasis in Schleswig-Holstein an.

Obwohl seine Piloten hier Dutzende abgestellte Maschinen der Luftwaffe vernichteten und mehrere kleine Kriegs- und Transportschiffe versenkten, büßten die Angreifer durch überraschend heftige Flak- und Jagdabwehr elf der vierundzwanzig eingesetzten Maschinen ein! Clostermann selbst errang hier wahrscheinlich vier Boden- und drei Luftsiege.
Bei Kriegsende war er - wie gesagt aufgrund verschiedener Zählweisen umstritten - mit mindestens 18 Luftsiegen einer der erfolgreichsten Jagdflieger der freien französischen Streitkräfte.

Unumstritten jedoch war der Jagdbomberexperte der höchstbeliehene Soldat General de Gaulles - neben dem Distinguished Service Order, zwei Distinguished Flying Cross, der Distinguished Flying Medal sowie dem amerikanischen Distinguished Service Cross trug Pierre Clostermann noch die höchsten Auszeichnungen seines Landes - den Legion d´ Honneur, das Croix des Liberation sowie das Croix de Guerre.

Am 12. Mai 1945, nach Kriegsende, hätte Clostermann nach so vielen überstandenen Kampfeinsätzen fast seinen letzten Flug absolviert, als bei einer Flugshow zur Feier des Sieges über Bremerhaven seine Maschine während eines Loopings mit einer anderen der Staffel zusammenstieß, das Fliegerass sich jedoch fast unverletzt mit dem Fallschirm retten konnte.

1946 aus der Luftwaffe ausgeschieden und eine der berühmtesten Persönlichkeiten Frankreichs, kehrte Clostermann während des Algerienkrieges 1956 als Colonel kurzfristig in den aktiven Dienst zurück. Alle Ehre machte sich Clostermann durch enge Freundschaften mit prominenten ehemaligen Kriegsgegnern.

Das seine Kriegserlebnisse beschreibende Buch „La Grand Cirque“ wurde in 30 Sprachen übersetzt und erreichte eine Auflage von unglaublichen 20 Millionen Exemplaren.
 
Bausatz: ACADEMY HAWKER TEMPEST V 1:72
 
F / L t. Pierre Clostermann (French Air Force),
No.3 Squadron., Royal Air Force, Juli 1945